Der Weihnachtsbaum steht vor der Tür

Der Weihnachtsbaum steht vor der Tür

Lilo steigt aus dem Zug und zieht ihr Köfferchen zur Bushaltestelle. Es ist nicht schwer, sie hatte nur ein paar Sachen über die Osterfeiertage bei Ihrer Freundin eingepackt. Hier in Jena scheint die Sonne, doch das Osterwetter da im Norden war geradezu weihnachtlich. Arme Sabine, ihre Freundin war gerade noch mal mit dem Schrecken davon gekommen, doch die Reparatur- und Aufräumarbeiten würden wohl noch einige Tage andauern. Der Bus kommt und Lilo setzt sich ans Fenster. 10 Minuten später rollt sie nach hause und schaut sich im immergün suchend um. Sie registriert zwar die knallroten Tulpen und zitronengelben Narzissen, die in der Sonne strahlen doch ihr Blick bleibt schließlich an einer kleinen Douglasie hängen, die in einem der Gärtchen steht, ein Ex-Weihnachtsbäumchen. Gut gemeint, ausgetopft und eingepflanzt um es vor den Stadtwerken zu retten, die sonst daraus Kompost machen würden. Nun steht es da im Garten und darf leben. Niemand wird merken, dass es dabei auch jedes Jahr größer wird, man gewöhnt sich daran. Doch Lilo hat gerade erlebt, was aus den süßen kleinen Dingern werden kann – ein erheblicher Dachschaden. Nasser Schnee auf den dünnen Zweigen und eine Windbö hatten ausgereicht, um der inzwischen wohl an die 20 m hohen Fichte vor Sabines Haus den entscheidenden Stoß zu versetzen. Mit einem lauten Krachen hing die Fichte vor dem Küchenfenster, es gab Schäden am Balkon, am Schlafzimmerfenster und an Dachrand. Ein Riesenschreck am Ostermontag für Sabine und Lilo, die eigentlich den Tag gemütlich am Frühstückstisch beginnen lassen wollten. Feuerwehr alarmieren, Versicherung anrufen, Fensterbaufirma und Schlosser benachrichtigen, provisorische die Fenster abdichten … der Tag war im Eimer. Lilo half so gut sie konnte, vor allem musste sie Sabine immer wieder trösten, denn die war fassungslos und wütend, in diesem Falle auf sich und ihren Ex, der das Bäumchen damals gepflanzt hatte, im Januar 86.
Lilo nimmt sich vor, den Nachbarn einen Besuch abzustatten. Und sie denkt sich auch gleich einen Ersatz für die Douglasie aus, ein Fliederbäumchen der Sorte `Schöne von Moskau` – übrigens nicht nur mit hinreißendem Duft gesegnet sondern auch mit kompaktem Wuchs, so dass es in der dunklen Jahreszeit mit Lichterketten geschmückt festlich erstrahlen kann, ohne irgendwann Schaden anzurichten.

Der Weihnachtsbaum steht vor der Tür
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